Wednesday, August 10, 2011

"(Alp)Traum Wohnung" oder "Drama Unlimited", ongoing

Es war Liebe auf den ersten Blick! Die Größe, die Raumaufteilung, die vorhandenen Einrichtungen, und auch der Preis hat gepasst :-)


Raumaufteilung


Küche


Schlafzimmer

Aber bei teilweise so rationellen Entscheidungen wie der Wohnungsnahme, sollte man die rosarote Brille besser doch gleich am ersten Tag abnehmen - oder das Licht aufdrehen! Leider so nicht geschehen, daher kam nach meiner Erfahrung mit der DEWA auch das böse Erwachen. Und es war sehr böse!

Kaum hatte ich das Licht aufgedreht, legte ich frischfröhlich mit der Putzerei in der Küche los. Erst die Oberschränke, denn der Staub und Brösel fallen für gewöhnlich nach unten, und damit macht es wenig Sinn, bei den Unterschränken zu beginnen. Mit den Oberkästen und dem Dunstabzug war ich schließlich nach einiger Zeit fertig, und nun kamen die Unterschränke an die Reihe. Da bot sich mir in den Kästen zwischen Herd und Kühlschrank ein Bild des Grauens: Schimmel in allen Ritzen der Kästen und der dazugehörigen Regalfächer! Der Boden der obersten Lade war aufgesprungen, und die dadurch enstandene Spalte war voll mit Schimmel. Alles schwarz. So kann ich natürlich nicht einziehen - das brauche ich gar nicht erst putzen!

Frustiert bin ich erst einmal heimgefahren, und habe überlegt, was ich denn jetzt tun soll? Zum Glück habe ich zwar den Mietvertrag unterschrieben, und sogar Strom und Wasser angemeldet, aber noch kein Geld überwiesen. In Dubai ist es nämlich üblich, seine Miete halbjährlich oder ganzjährig im Voraus zu bezahlen. Das konnte ich jedoch bis zu dem Zeitpunkt nicht machen, weil ich erst 2 Wochen nach Leistung der Unterschrift mein Gehalt überwiesen bekommen hatte. Das wusste der Vermieter, und er hatte sich darauf eingelassen zu warten.

In dieser Situation war mir klar, dass ich natürlich mit dem Vermieter sprechen muss: entweder er lässt den Schaden selbst reparieren, oder er gibt mir zumindest die Erlaubnis, dass ich die Kästen entfernen lasse, und nachsehe, wie groß der Schaden dahinter ist. Leider war der Vermieter sehr kurz angebunden, und hat mich nur auf die "Maintenance-guys" verwiesen, die sich darum kümmern sollen. Ich habe das als eine Abfuhr seinerseits gedeutet, und habe ihm gedroht, einfach vom Mietvertrag zurückzutreten. In Dubai kann man das machen - solange man nicht bezahlt hat, hat eigentlich niemand etwas gegen den anderen in der Hand, und vor Gericht wird nicht gezogen, weil die meisten Verträge ohnehin nicht registriert sind.
Fünf Minuten später hatte ich den Agenten an der Strippe, der mit mir den Schaden begutachten wollte. Mit einem männlichen Kollegen "bewaffnet" bin ich zu dem Treffen gegangen - und gut war's, denn manche Männer hier glauben echt, nur weil ich eine Frau bin - und noch dazu eine weiße - hätte ich bei meiner Geburt mein Hirn abgegeben. Hat mein Kollege gesprochen, war das Gesagte gültig, wenn ich gesprochen habe, kam ein Seitenblick zum Kollegen, um den Wahrheitsgehalt meiner Worte zu erforschen. Nervtötend! Und nein, ich bin noch kein Rassist, aber leider gibt es wirklich einige Stereotypen, die ich bestätigt finde.

Vereinbart wurde, die gesamten befallenen Unterschränke (zwei Korpusse) zu entfernen, dann die Kammerjäger kommen zu lassen, und danach neue Kästen einbauen zu lassen. Das Ganze solle in einer Woche erledigt sein. Eine Woche später wurde ich auch tatsächlich angerufen, mit dem Statement, dass jetzt alles in Ordnung sei. Meine (alleinige) Inspektion ergab, dass die Kästen wohl geputzt worden waren, und Fugendichtung in die befalllenen Ritzen geschmiert wurde, aber von einem Ersatz der Kästen war die Realität leider weit entfernt. Trotzdem zeigte die Rechnung, die der  Vermieter bekommen hatte, "Ersatz" als Beschreibung. Insofern wollte sich der Vermieter selbst von meinem Urteil überzeugen, und hat sich mit seinem Vater, seinen beiden Töchtern und mir die Wohnung angesehen. Beide Männer zeigten sich mir gegenüber äußerst verständnisvoll, und ehrlich enttäuscht von der geleisteten Arbeit der Handwerker.

Es war zumindest halbwegs sauber gearbeitet, aber die Laden-Böden zeigten erneut kleine Risse aufgrund der Schrauben, die zu tief hineingedreht wurden. Nachdem ich nicht wusste, ob die Böden ersetzt worden waren, oder ebenfalls mit der "Ritzenschmiererei" behandelt worden waren, habe ich dies bei dem Tischler beanstandet, der sie tatsächlich ausgetauscht hat - natürlich nicht ohne dabei die Hand aufzuhalten. Also haben wir 100 Dirham (20 Euro) vereinbart. Meines Erachtens hätte er es ja gratis machen müssen, da er nicht sauber gearbeitet hatte. Aber der Betrag hat mich auch nicht ärmer gemacht.

Vereinbart war, dass er mir die Laden um 19 Uhr vorbeibringt und noch kleinere Verbesserungsarbeiten erledigt. Gekommen ist er nach 20 Uhr. Ich war sauer! Richtig sauer. Ich habe ihm angedroht, dass er für meine Wartezeit bezahlen muss, weil das meine Freizeit ist, in der ich auch Geld verdienen hätte können. Leider hat der Pakistani so wenig Englisch verstanden, dass er nicht einmal den Unterschied zwischen "when", "where" und "how" wusste - geschweige denn, worüber ich mich denn jetzt wirklich so aufrege.
Das Beste war allerdings, als es zur Geldübergabe kam. Ich: "100 Dirham." Er: "100 or 200? Maybe 400?" Ich: "No, 100 - kalas! Just because I am white and a women, doesn't mean I am stupid!

Vorurteile. Auf mehr als einer Seite. Ein Thema, das auch noch erschöpfend bearbeitet werden kann...

Thursday, August 4, 2011

Ramadan Kareem!

... lacht es überall von Plakaten herunter, und schallte es am 1.August auch im Büro aus allen Ecken.

Seit dem 1.August ist Ramadan, und damit Zeit der Einkehr, Zeit des Fastens und des Verzichtes im Allgemeinen, aber auch Zeit der Zusammenkünfte. Ramadan ist der 9. Monat nach dem Hijri-Kalender und löst in mir - wie so viele Andersartigkeiten - ambivalente Gefühle aus.

An und für sich ist es nach dem Islam auch während des Jahres verboten, Alkohol zu konsumieren und dementsprechend schwer/teuer ist es in Dubai auch, an Alkohol zu kommen. Gut, das ist jetzt nicht wirklich eine meiner größten Sorgen, nachdem ich in Wien schon nicht allzu tief ins Glas geguckt hatte. Aber während des Fastemonats werden sämtliche der "Spielregeln" des Korans ausgepackt: jeder Gläubige (und auch derjenige, der während des Jahres scheinheilig ist) geht regelmäßig beten, und verzichtet während des Tages (zwischen Sonnenauf- und -untergang) auf Essen, Zigaretten und sogar auf Wasser. Stattdessen schlägt man sich in der Nacht die Bäuche voll, um den Tag eben irgendwie ohne Nahrungszufuhr zu überstehen. Super-ungesund!

Für Nicht-Moslems hat das ganze Spektakel insofern Auswirkungen, als man während dieser Zeit angehalten ist, aus Respekt vor den Fastenden in der Öffentlichkeit keine Speisen oder Getränke zu sich zu nehmen, und auch nicht zu rauchen. Als Nicht-Moslem wird man bei Nichteinhaltung beim ersten Mal verwarnt, und beim zweiten Mal bestraft. Nachdem damit aber auch das Mittagsgeschäft für die meisten Lokale wegbricht, stellen sich die Öffnungszeiten entsprechend ein. Aus diesem Grund - und auch aus purer Neugierde - hatte ich mir vorgenommen, mich an diesem Ritus zu beteiligen. Natürlich ohne beten - und auch das Wasser konnte ich nicht weglassen. Aber das mit dem Essen sollte doch schaffbar sein.

Der erste Morgen ohne Frühstück und demzufolge auch ohne Kaffee war zugegebenermaßen sehr hart! Und das Durchhaltevermögen meiner muslimischen Kollegen ist bewundernswert. Ich bin am ersten Abend bereits vor Sonnenuntergang bei meinem Lieblings-Thai gesessen, habe bestellt, und zur Antwort bekommen: "but we will only serve after prayer-time" und mir dabei gedacht: "Wurscht, solang kann das jetzt auch nicht mehr dauern!" So war es auch, und in Null-Komma-Nix waren nach dem Evening-Prayer meine Nudeln auf dem Tisch und in fast ebenso hoher Geschwindigkeit auch wieder verputzt. Danach war nicht mehr viel mit mir anzufangen. Ich habe noch halbherzig ein paar Telefonnummern von meinem Privathandy auf mein Firmenhandy übertragen, und noch vor 21:00 bin ich einfach weggemützt. Soviel zum ersten Tag.

Auch am zweiten Tag habe ich mich an die "kein Frühstück"-Regel gehalten, hab aber dann bis zum Abend schon wirklich Hunger gehabt. Nachdem jetzt ja leider Monatsabschluss ist, kann ich mich nicht einfach auf die im Ramadan verkürzten Arbeitszeiten berufen (nur bis 16:00 Uhr maximal, die meisten sind um 15:00 Uhr eine Wolke), da sich meine Arbeit leider nicht von selbst erledigt, und ausgerechnet in der Abschlusswoche brechen immer sämtliche Probleme herein... Also habe ich bereits am dritten Tag den Frühstücks-Verzicht in den Wind geschrieben, auf den Kaffee/Tee am Morgen verzichte ich jedoch weiterhin. Ich schaffe es nämlich nicht, so wie die Moslems mitten in der Nacht aufzustehen, um im Dunkeln noch schnell zu frühstücken.

Nachdem ich nun sukzessive sämtliche Regeln aufgegeben habe (brechen kann ich sie ja nicht, da sie nicht für mich gelten), habe ich heute auch Mittag gegessen. Dafür verzichte ich aufs Abendessen.

Naturgegeben wird das Abendessen, oder in dem Fall "Iftar" ("break fast") groß gefeiert - viele Hotels bieten Buffets an, wo sich Familie und Freunde versammeln, um die entgangenen Kalorien wieder aufzutanken. Das ist das gesellige Teil des Ramadans, der manchmal auch überhand nimmt, und zu Feiern durch die ganze Nacht führt. Den Teil hab ich mir bis jetzt noch aufgespart. Kommt aber noch! Versprochen!!

Saturday, July 30, 2011

Sternschnuppen in Dubai, 23.07.2011

... sind selten, aber es gibt sie. Genauso selten finde ich Menschen, mit denen ich eine starke Verbindung fühle.

Ich weiß nicht, ob das daran liegt, dass ich hier einfach noch nicht genug Menschen kennengelernt habe, oder daran, dass die Menschen hier anders sind, oder vielleicht liegt es ja auch daran, dass ich mich verändert habe? Habe ich mich verändert? Selber merkt man das so schwer... Ich sehe schon, das wird wieder ein philosophischer Beitrag ;-)...
Letztens war ich auf die Geburtstagsfeier eines Bekannten von Couchsurfing eingeladen, und dort traf ich unter bekannten Gesichtern auch auf einige neue. Dulce war da, ein zauberhaftes venezolanisches Mädchen mit einem lieben Plappermund, den man wohl extra zu Grabe tragen muss, und eines der neuen Gesichter gehörte zu Mario. Später stellte sich heraus, dass er nur auf der Durchreise war - aber sind wir das nicht alle? Ich meine, in Bezug auf das Leben... Er käme ursprünglich aus Korcula, wäre während des Jugoslawien-Krieges nach Berlin gegangen, und dann von dort vor 10 Jahren nach Atlanta weitergezogen. Ja, die *vich-es und die *vic-es findet man heutzutage überall :-). Er kam gerade zurück aus Uganda - vollgepackt mit schönen Erinnerungen, Photos und neuen Eindrücken, die ihn sichtlich sehr bewegt haben. Voller Stolz hat er mir die Zeichnungen "seiner" Kinder gezeigt, und einen kleinen Film am Handy, als sie für ihn getanzt haben. Es war schön zu sehen, wie sehr er in der Erinnerung an das Erlebte wieder in die Freude und Entspanntheit gefallen ist.

Nachdem Dulce wie Mario einen starken Bezug zur deutschen Sprache haben, war es für mich das Normalste der Welt, mich mit ihnen auf Deutsch zu unterhalten. Demzufolge könnte es auch die Sprache gewesen sein, die alles leichter gemacht hat! Ich habe keine Schwierigkeiten mit Englisch und muss auch nicht mehr nachdenken, wenn ich etwas sagen will - die Wörter kommen einfach, aber ich denke, es ist doch ein Unterschied zwischen Mutter- und Fremdsprache.

Obwohl ich eigentlich vorgehabt hatte, meine Wohnung am nächsten Tag gründlich sauber zu machen, habe ich mich überreden lassen, nach Abu Dhabi mit den beiden zu fahren, und nach einem ausgiebigen Frühstück ging es erst einmal Richtung Grand Mosque, der weißen Moschee, von der Mama so geschwärmt hat. Leider war gerade Gebetszeit, und nachdem die Hitze unerbittlich war, haben wir von einem Besuch der Innenräume abgesehen und sind in die Stadt gefahren. Dort haben wir einen weiteren Rat von Mama beherzigt, und sind auf den Aussichtsturm der Marina Mall gefahren um dort bei Kaffee und Eis von den Temperaturen runterzukommen. Nach einer ausgiebigen Rast mit viel Lachen und Blödsinn machen sind wir weiter in den Emirates Palace gezogen. Fast hätte man uns aufgehalten, weil sie freitags nicht so gerne Besucher hineinlassen, aber meine Überredungskünste haben triumphiert. Immerhin wollte ich Mario, der sehr viel mit Architektur zu tun hat, eine Ausstellung über einen neu zu gestaltenden Stadtteil Abu Dhabis zeigen!

Danach ging's wieder Richtung Dubai, aber noch lange nicht heim. Mario wünschte sich Shawarma, im Prinzip Wraps aus Fladenbrot, gefüllt mit Fleisch und Gemüse. Döner al Arabia. Dulce kannte einen super-guten Shawarma-Laden und so fielen wir dort ein. Nachdem wir nach dem Essen nicht müde waren, und wirklich gute Gespräche über Gott und die Welt und hauptsächlich Beziehungen geführt haben, wollten wir ein weiteres Klischee des Orients bedienen und das hieß: Shisha! Aber auch davon kann man nach einiger Zeit genug bekommen, und so ging es an den Strand, wo wir auf einen der Wellenbrecher hinausspaziert sind, um von dort die in der Nacht magisch funkelnde Stadt zu betrachten. Und da hab ich dann auch Sterne gesehen! Nicht viele, und vermutlich sieht man sie auch dort nur selten wegen der hohen Luftfeuchtigkeit und den Sandstürmen - und natürlich wegen des abstrahlenden Lichtes der Stadt, aber diesmal habe ich welche gesehen! Und einmal war sogar eine Sternschnuppe dabei!